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NiederlandeEijsdenSonnig

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Meine heutige Lauftour startet in Mariadorp, einem dieser kleinen niederländischen Orte, durch die ich unglaublich gerne laufe. Schon nach den ersten Metern zeigt sich wieder, warum: kleine Straßen, alte Häuser und zwischendurch immer wieder ein Fachwerkhaus. Mal plätschert irgendwo ein kleiner Bach durch den Ort, mal führt die Straße zwischen alten Häusern hindurch. Alles wirkt ruhig und irgendwie charmant.

Mariadorp selbst ist übrigens noch recht jung: Das Dorf entstand ab 1913 als Arbeitersiedlung für die nahe Zinkweißfabrik. Im Ort heißt es deshalb bis heute „De Klonie“, die Kolonie.

Gleich nebenan liegt Mesch, das südlichste Kirchdorf der Niederlande. Ich komme am Tor der Meschermolen vorbei, einer alten Wassermühle an der Voer. Die Sint-Pancratiuskerk von Mesch gehört zu den ältesten Steinkirchen des Landes – Teile des Kirchenschiffs stammen noch aus dem 9. Jahrhundert. Und am 12. September 1944 war Mesch das erste Dorf der Niederlande, das von amerikanischen Soldaten befreit wurde.

Schon bald lasse ich die Häuser hinter mir und laufe hinaus über die Wiesen. Hier stehen ein paar Schafe, dort Pferde, und irgendwo entdecke ich einen Esel. Die Landschaft ist offen, aber trotzdem wird es nie langweilig.

Das liegt vor allem daran, dass ich selten kilometerweit geradeaus laufen muss. Genau das mag ich nämlich überhaupt nicht. Stattdessen sehe ich vor mir vielleicht das nächste Waldstück, einen Kilometer entfernt, und denke: Okay, erst einmal bis dort hinten. Was danach kommt, weiß ich oft selbst nicht so genau. Genau das macht für mich einen großen Teil des Reizes solcher Touren aus.

Ich plane meine Strecken vorher nur über einige Wegpunkte. Natürlich sehe ich auf der Karte ungefähr, wo es entlanggeht. Aber was mich zwischen diesen Punkten tatsächlich erwartet, erfahre ich erst unterwegs. Ist der Weg überhaupt gut laufbar? Wachsen dort Brombeerbüsche? Muss ich über einen Bach? Oder hat das Wetter einen eigentlich harmlosen Feldweg in eine einzige große Matschfläche verwandelt?

Heute habe ich Glück. Für Ende März ist das Wetter richtig angenehm. Über mir liegt ein schöner blauer Himmel mit ein paar kleinen Wolken. Hier und da erinnern Pfützen daran, dass es in den vergangenen Tagen wohl etwas feuchter gewesen ist, aber insgesamt ist es trocken und gut zu laufen.

Zwischen den Feldern markieren unscheinbare Grenzsteine den Übergang, und schon bin ich in Belgien, in der Voerstreek. Die gusseisernen Grenzpfähle an dieser Grenze stehen seit dem Vertrag von Maastricht von 1843: kegelförmig, mit einem stilisierten Tannenzapfen obendrauf, den Wappen beider Länder und einer Nummer. Kurz dahinter steht eine kleine Kapelle unter alten Bäumen.

Irgendwann führt mich die Strecke wieder zwischen die Bäume. Ich folge den Wegen durch das Grün und komme schließlich auf der anderen Seite wieder hinunter in einen der kleinen Orte. Und sofort ist er wieder da, dieser typische Charme: alte Häuser, schmale Straßen und ein kleines Flüsschen, das sich durch den Ort zieht.

Der Ort ist ’s-Gravenvoeren, und das Flüsschen ist die Voer. Sie entspringt nur ein paar Kilometer weiter in Sint-Pieters-Voeren und mündet nach gerade einmal zwölf Kilometern bei Eijsden in die Maas. Mitten im Ort fließt sie in einem gemauerten Bett direkt neben dem Bürgersteig.

An der Molen Janssen dreht sich ein großes Wasserrad vor der Backsteinwand. Die Mühle ist schon vor 1775 verzeichnet, damals als Getreidemühle. Seit 1895 ist sie auch Sägemühle – und die Säge funktioniert bis heute.

Etwas weiter spiegeln sich die weißen Gebäude von Kasteel Altenbroek im Weiher. Das Anwesen wird schon um 1300 erwähnt, gut zwanzig Hektar mit drei Weihern und einer eigenen Mühle gehören dazu. Heute ist es ein Hotel mit Restaurant, das sich selbst „die Perle der Voerstreek“ nennt.

Über die Felder geht es zurück über die Grenze und hinauf nach Mheer. Hier war ich schon einmal, beim Karnevalslauf – damals bei Wind, Regen und Matsch, vorbei am Kasteel Mheer und am Kasteel Altenbroek. Heute ist es sonnig und trocken. Also gibt es eben: mehr Mheer.

Mheer liegt auf einer Anhöhe direkt an der Grenze zu Belgien. Im Ort stehen Fachwerkhäuser und alte Hofanlagen, ganz oben die neugotische Sint-Lambertuskerk. Gebaut hat sie zwischen 1876 und 1881 Pierre Cuypers, der Architekt des Amsterdamer Rijksmuseums.

Gleich daneben, nur durch einen trockenen Graben getrennt, liegt Kasteel Mheer. Seine Geschichte reicht bis ins 14. Jahrhundert zurück, und seit 1668 gehört es derselben Familie. Vier Flügel stehen um einen Innenhof, dazu ein runder Turm.

Am Torbau stehen die schwarz-weiß gestreiften Torflügel weit offen, und am Giebel zeigt eine Uhr mit goldenen Zeigern die Zeit. Heute kann man im Schloss sogar übernachten.

Einige dieser Orte kenne ich also schon. Trotzdem fühlt sich die heutige Strecke nicht wie eine Wiederholung an.

Das finde ich besonders spannend.

Meine Touren kreuzen sich vielleicht an zwei oder drei Wegpunkten, danach biege ich aber wieder in eine andere Richtung ab. Plötzlich liegt zwischen zwei bekannten Punkten ein Weg, den ich noch nie gelaufen bin. Hinter dem nächsten Waldstück wartet eine neue Strecke, ein anderer Blick auf die Landschaft oder irgendeine kleine Überraschung, mit der ich vorher nicht gerechnet habe. Heute ist es ein Waldboden voller Bärlauch, auf dem Rückweg Richtung Mariadorp.

Und genau deshalb muss ich für ein kleines Laufabenteuer gar nicht besonders weit weg.

Ich kann immer wieder in dieselbe Gegend fahren und trotzdem etwas Neues entdecken. Ich verbinde bekannte Orte anders miteinander, nehme einen neuen Waldweg, biege an einer Kreuzung diesmal links statt rechts ab, und schon entsteht eine völlig neue Tour.

Vielleicht ist es genau das, was mir an diesen Läufen so gut gefällt: Ich kenne das Ziel meiner nächsten Wegpunkte – aber ich weiß nie ganz genau, was mich auf dem Weg dorthin erwartet.

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