herrlich

Friedhof mit Kuscheltieren

Zum Dritten mal starte ich fast am gleichen Punkt. In Belgien. Da, wo ich eigentlich gar nicht mehr sein wollte. Da, wo die Wälder so komisch waren und die Straßen einfach ungebremst durch die Orte laufen. Aber ich habe mich getäuscht. In Rekem in der Nähe von Maastricht besuche ich erneut den Nationalpark Hooge Kempen. Auch dort war ich schon mal. Nicht so aufregend, dachte ich damals. Lange Wege, immer schnurgerade, Schneisen in den Wald geschlagen.

Irgendwie ist es dieses Mal gar nicht so. Der Wald ist spannend, mit vielen interessanten Ecken. Seitenwege, die man erkunden kann. Aber zunächst gilt es die Autobahn zu überwinden. Heute kommt wieder Komoot zur Navigation zum Einsatz. Verdammt, diese App kennt wirklich noch jeden so zugewachsenen Trampelpfad und ich gelange durch einen kleinen Tunnel auf die andere Seite des Waldes.

Der Waldboden ist fest und bedeckt mit Kiefernnadeln. Ein sehr weicher und angenehmer Untergrund zum Laufen. Vor mir, so mein Plan, liegt ein großer See und die „Himmesleiter“. Ich stehe vor einer Anhöhe: der Berg ruft. Ich klettere die Anhöhe hinauf und frage mich, ob der erwartete See wohl oben ist. Das erscheint mir komisch. Ich folge einem Pfad etwa 50 Meter höher, von einem See aber keine Spur. Ich erreiche einen kleinen Hügel, der mit ein paar Brettern als Tritten eine Art Treppe formt. Ok, das hier ist also die „Himmelsleiter“.

Oben angekommen bin ich auf einer Hochebene mit einem imposanten Ausblick auf einen großen Teil der Landschaft Richtung Maas. Verstehe, der See ist natürlich gar nicht oben. Er liegt auf der anderen Seite dieser Anhöhe. Es handelt sich um eine Kiesgrube, an deren Ufer in feinem Sand seltsame, rote Sträucher sich ein schönes Farbspiel zwischen grün, rot und hellbraun liefern. Auf der anderen Seite des Sees tauche ich in ein riesiges Heidegebiet ein. Ein verwachsener Pfad, der vielleicht einmal von einem Traktor befahren wurde ist mein Wegweiser. Mitten hier in der Heide treffe ich auf einige sonderbare Messstationen. Das hat etwas von „Alien Technology“.

Weiter geht es auf einer Betonstraße, wie man Sie aus großen Kasernen kennt. Außer der Straße sieht man trotz Weitsicht kein einziges Bauwerk. Kein Haus, kein Kirche, kein Strommast, kein Funkturm. Ein Reh flüchtet in einiger Entfernung immer wieder vor mir. Es wird Zeit, mein Teleobjektiv im Handy auszuprobieren. *Klick* Sehr eindrucksvoll – Reh eingefangen. Ich nähere mich dem großem Finale heute: dem „Friedhof der Verrückten“.

Nein. Es gehört sich nicht, Sport auf einem Friedhof zu machen. Dieser Friedhof ist aber: verlassen, verfallen, verrottet. Es fühlt sich nicht so an, als würde man hier die Ruhe der Toten stören. Vielmehr ist es so, als hätte man diesen Ort einfach vergessen. Dabei liegt er direkt an einer normalen Straße. Er ist auch nicht abgesperrt. Ich bin auch nicht alleine dort. Ein Radfahrer tritt mir mir gemeinsam durch die Pforte, etwas später folgt ein junges Pärchen. Ich schreite die Reihen ab, lese die Namen auf den teilweise nicht mehr lesbaren Metallschildern. Ich studiere die Datumsangaben. Seltsam, kaum jemand ist hier offenbar älter als 18 geworden. Nur ganz wenige. Das hinterlässt ein ungutes Gefühl. Auf einigen Gräbern ist ein Plüschtier. Das ist in jedem Fall neueren Datums. Wer macht denn so was? Angeblich sollen die Tiere immer wieder mal die Position wechseln (so die Legende). Es ist aber Mitten am Tag, die Sonne scheint. Das nimmt dem Platz etwas die düstere Atmosphäre.

Ich verlasse den Friedhof. Direkt gegenüber liegt eine bzw. die eine Nervenheilanstalt. Das passt wohl. Auf Google Maps ist hier aber gar kein Ort eingezeichnet. Ein vergessener Friedhof und eine Heilanstalt ohne offiziellen Eintrag in Google. Da weiß ich gar nicht, was hier gruseliger ist.