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Kleines Abenteuer und große Ausblicke im Kalltal

Eigentlich will ich einfach loslaufen – doch meine Runde durchs Kalltal beginnt gleich mit einem kleinen, unerwarteten Abenteuer. Beim Start in Schmidt bei Nideggen regnet es deutlich heftiger als gedacht.

Dazu kommt ein schmaler Strich auf der Karte, der nach einem Waldweg aussieht und mich abseits der Straße den Hang hinaufführen soll. Was auf der Karte noch vielversprechend wirkt, entpuppt sich vor Ort als dichtes Gestrüpp aus Brombeeren, Brennnesseln und allerlei anderen Pflanzen. Statt locker loszulaufen, muss ich mich erst einmal mühsam durchs Grün schlagen. Es dauert eine ganze Weile, bis ich endlich auf dem eigentlichen Weg ankomme. So hatte ich mir den Einstieg nicht vorgestellt!

Danach lässt der Regen allmählich nach, und die Landschaft macht den holprigen Start schnell wieder wett. Schmidt liegt auf einer Hochfläche zwischen dem Hohen Venn und dem Rurtal, rund 480 Meter hoch. Von hier öffnet sich der Blick gleich in mehrere Richtungen: hinüber nach Rurberg und hinunter ins Kalltal.

Diese weiten Ausblicke über die Täler und bewaldeten Hänge sind für mich etwas ganz Besonderes an der Eifel. Immer wieder komme ich aus dem Wald heraus, und plötzlich liegt die Landschaft offen vor mir. Genau solche Momente machen eine Runde für mich aus.

Dazwischen führen wunderschöne Wege durch große Wälder, vorbei an grünen Schonungen, aber auch an sichtbar geschädigten Nadelbäumen. Am Ende eines Waldabschnitts wartet oft schon der nächste Blick ins Tal. Es gibt unterwegs wirklich viel zu schauen.

Dann geht es hinunter ins Kalltal – über Wurzeln und Steine, genau so, wie ich es gerne mag. Bergab zu laufen macht mir einfach riesigen Spaß. Auch wenn ich dabei natürlich schon weiß: Jeden Höhenmeter, den ich jetzt verliere, muss ich später irgendwie wieder hinauf. Und das wird meistens ziemlich hart.

Die Kall entspringt nördlich von Konzen, noch auf belgischem Gebiet, und mündet nach knapp 26 Kilometern bei Zerkall in die Rur.

Im Tal erreiche ich Simonskall. Der kleine Ort ist herrlich beschaulich und hat viel Charme. Seinen Namen hat er vom Eisenhüttenmeister Simon Kremer; die Anfänge reichen bis 1608 zurück, als hier eine Glashütte und eine Seifensiederei entstehen durften. Der befestigte Turm des Junkerhauses stammt aus dieser Zeit, das Burghaus, der Kremer-Hof, von 1643. Von 1919 bis 1921 arbeitete im Junkerhaus sogar eine Gruppe Kölner Künstler um Franz Wilhelm Seiwert.

Hier komme ich auch an einem Hotel mit Restaurant vorbei, in dem wir früher oft gewesen sind. Es ist schön, diesen vertrauten Ort wiederzusehen und dabei ein paar Erinnerungen aufleben zu lassen.

Anschließend geht es wieder in die Höhe. Die Wege führen teils direkt steil hinauf, teils schräg am Hang entlang. Das kostet ordentlich Kraft.

Am Weg steht eine Skulptur aus Stein, durch deren Öffnung man in den Wald schaut.

Dafür lohnt sich auch auf dem Rückweg der Blick: nach oben zu den bewaldeten Hängen und immer wieder zurück ins Tal. Diese wechselnden Perspektiven machen den Anstieg zu einem ebenso schönen Teil der Runde wie den Weg hinunter.

Zurück in Schmidt gibt es dann noch einen passenden Abschluss: Ich kann mir ein Volleyballspiel in der überraschend modernen Turnhalle anschauen. Das war auch ein Grund gewesen, weshalb ich diese Tour ausgewählt hatte. Ein unerwartet abenteuerlicher Anfang, tolle Wege und vor allem diese weiten Ausblicke – die Runde hatte einiges zu bieten.

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