Also, dieser verlassene Bahnhof – da musste ich einfach noch einmal hin. Von dieser Seite steht sogar (auf französisch) etwas mit “Vorsicht” und ggf. auch “Verboten”. Das Schild ist aber so einsam und das Gelände unverschlossen – man hat nicht den Eindruck, dass sie es wirklich ernst meinen.
Innen bin ich auch dieses mal nicht alleine. Zwei FPV-Drohnen (das sind Sportdrohnen, die mit einer Brille aus Sicht der Drohnenkamera geflogen werden) sind auch vor Ort und rasen durch die vergammelten Hallen. Da ist meine kleine Drohne eher eine Schnecke. Na gut, ich fange noch ein paar schöne Wandbemalungen und Impressionen ein und weiter gehts durch das Hinterland der Bahnhofshalle. Das Gelände ist offen, aber nicht alle Gleise sind hier stillgelegt und da wundert es auch nicht, dass ich am Ende eine wunderbare Umzäunung vorfinde. In der vorigen Woche bin ich auch ohne klettern hierher gekommen. Ich habe aber keine Lust zu suchen, also klettere ich über den ersten Stacheldrahtzaun des Tages – leider nicht der letzte.
Ich versuche den Gleisen zu folgen – ein ambitionierter Plan, denn es gibt gar keinen Weg an den Gleisen. Wege werden generell überbewertet und schon durchquere ich einen kleinen Wald mit dornigem Boden und ein paar sumpfigen Flecken. Ich überquere die Gleise ein weiteres Mail und auf der anderen Seite klettere ich den Abhang hoch, damit ich die Brücke wieder zurück auf die andere Seite nehmen kann (hmm, irgendwas läuft hier falsch). Ich folge den Gleisen weiter so gut ich kann, bis sie in einem Tunnel im Berg verschwinden.
Diesen Berg muss ich natürlich rauf. Ein Weg? Nein, den gibt es hier natürlich nicht, dafür einige Wiesen mit Stacheldrahtzäunen. Ich kämpfe mich Wiese für Wiese nach oben bis auf den Kamm. Meine Schuhe sind eh schon zerrissen, ein paar Risse mehr oder weniger sind dann auch egal (ich habe zum Glück extra bereits alte Schuhe angezogen). Nun geht es wenigstens ein paar Meter bergab Richtung Hombourg bis zum Chateau de Berlieren.
Im weiteren Verlauf gelange ich von einer Anhöhe herunter auf ein großes Gutsgelände. Dass ich von dieser Seite komme, hat wohl hier niemand geplant. Ich muss mich entscheiden: über das Gelände des Bauernhofs vorbei an den Tieren auf die Straße? Oder lieber am Nebengebäude vorbei über ein paar Zäune auf einen Feldweg? Ich entscheide mich den Bauernhof in Ruhe zu lassen und klettere wieder über ein paar Zäune. Das Wetter ist nett zu mir und es hört endlich auf zu regnen. Ich bin immer noch relativ weit oben und darf wieder ein paar Meter den Berg hinunter.
Ach ja: ich muss die Bahngleise wieder kreuzen. Ausnahmsweise verwende ich hier einen kleinen Bahnübergang und folge erneut den Gleisen. Die Gleise teilen sich später auf und ein allerletztes Mal durchkreuze ich die Gleise. An diesem Punkt liegen die Gleise allerdings 50 Meter über mir. Das hier ist das Göhltalviadukt.
Die letzten Kilometer führen mich wieder bergauf und über die letzten Zäune meiner Tour.
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